Microsoft will Yahoo für 45 Milliarden Dollar kaufen

Mit einer Milliardenübernahme von Yahoo will Microsoft den Internet- Marktführer Google angreifen. Der Software-Gigant legte am Freitag ein Angebot für Yahoo im Volumen von knapp 45 Milliarden Dollar vor. Die Fusion würde Microsofts Internet-Sparte profitabel werden lassen, sagte Firmenchef Steve Ballmer.


Das Direktorium des unter Druck stehenden Internet-Dienstleisters Yahoo bezeichnete die Offerte zwar als unerwünscht, sagte aber eine Prüfung zu. Yahoo-Aktien legten im frühen Handel um fast 50 Prozent zu, die Titel von Microsoft verloren um 4,1 Prozent. Auch Google- Papiere fielen um fünf Prozent.

Der von Bill Gates mitbegründete Konzern ist bereit, 31 Dollar je Yahoo-Aktie in Microsoft- Papieren und bar zu zahlen. Dies entspricht einem Aufschlag von 62 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag. Man gehe von einer Zustimmung der Behörden aus, teilte Microsoft weiter mit. Bis Ende des Kalenderjahrs 2008 könne die Fusion abgeschlossen sein. Das Yahoo-Direktorium erklärte, das Angebot im Sinne der langfristigen Interessen seiner Aktionäre anzuschauen. Dies werde vor dem Hintergrund der eigenen strategischen Pläne geschehen. Die EUKommission lehnte eine Stellungnahme ab.

„Wir haben großen Respekt für Yahoo“, erklärte Microsoft – Chef Steve Ballmer. „Gemeinsam können wir immer attraktivere Angebote für Verbraucher, Verleger und Werbekunden anbieten.“ Gleichzeitig könnten die beiden US-Konzerne sich besser für den Wettbewerb bei Online-Diensten in Stellung bringen. 

Es gebe vier Bereiche, in denen Synergien erwartet würden. Diese dürften mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr ausmachen. „Wir haben Geld verloren“, sagte Ballmer mit Blick auf seine Internet- Sparte. „Unser Plan wäre, in der Zukunft kein Geld zu verlieren.

Yahoo verfügt mit 250 Millionen Kunden über den am häufigsten benutzten E-Mail-Dienst der Welt und konkurriert bislang mit Microsoft bei der Websuche. Zudem gehört die Marke Yahoo zu den bekanntesten im Internet. Bei der Websuche hält Google der Forschungsgruppe comScore zufolge weltweit 77 Prozent des Markts, Yahoo 16 Prozent und Microsoft 3,7 Prozent. „Wir wissen alle, warum sie das machen“, sagte Robert Breza von RBC Capital Markets. Ziel sei es, sich im Kampf gegen Google zu stärken. „Microsoft hat eine Kriegskasse voller Geld“, sagte er.

Jeden Monat komme eine weitere Milliarde Dollar hinzu. Auch strategisch sei der Kauf günstig, schon allein wegen der Anteile am Suchmaschinenmarkt. „Microsoft setzt damit eine Menge auf‘s Spiel“, sagte Brendan Barnicle von Pacific Crest Securities.

Einige Analysten zeigten sich kritisch. Sie verwiesen darauf, dass Microsoft und Yahoo sehr verschiedene Firmenkulturen haben und ihr Geschäft sich in vielen Punkten wie E-Mail, Werbung und Messaging überlappen. „Für ein kränkelndes Unternehmen ist der Aufschlag aus meiner Sicht exorbitant“, sagte Tim Smalls von Execution. „Ich für meinen Teil sehe nicht, wie die Microsoft- Yahoo-Synergien sich gegen Google durchsetzen sollen.“ Die Fusion wäre die größte auf dem Internet-Markt seit der Übernahme von AOL durch Time Warner 2001 für 182 Milliarden Dollar. Die Übernahme gilt als eine der unglücklichsten der modernen Wirtschaftsgeschichte.

Microsoft hatte vor einigen Tagen einen Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar für das vierte Quartal vorgelegt, ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet.

Yahoo erlitt dagegen einen Gewinneinbruch und kündigte einen Stellenabbau an. Die Aktien des Unternehmens lagen bereits zu Jahresanfang nahe an einem Vier-Jahres-Tief. Im lukrativen Anzeigenmarkt ist der Konzern massiv hinter Google zurückgefallen. Google hatte allerdings am Donnerstagabend mit seinen Quartalszahlen enttäuscht. Analysten haben erklärt, Google falle es zunehmend schwer, im Suchmarkt Anteile von seinen Rivalen abzujagen. Zudem hat der Internetkonzern im vergangenen Vierteljahr nicht mehr so viele Menschen eingestellt wie zuvor. „Von Microsofts Seite ist das Timing gut“, sagte Paul Mendelsohn von Windham Financial Services.

 

 

 

 

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