Die thailändische Unternehmensgründung in fünf Schritten

Von Dr. Ulrich Eder

Thailand liegt im internationalen Vergleich der Weltbank bei der Einfachheit der Unternehmensgründung nur auf Platz 78. Dies zeigt, dass zu den vielen Dingen, die in Thailand besonders einfach sind, die Gründung einer Company Limited nur scheinbar dazu gehört. Da es sich beim thailändischen Unternehmen häufig um die Geschäftsplattform für sämtliche Thailandaktivitäten handelt, ist eine systematische und überlegte Vorgehensweise kein unnötiger Luxus.

In sicherlich mehr als 95% der Fälle wählen kleine und große ausländische Investoren die Rechtsform der Company Limited – die thailändische GmbH. Die Repräsentanz, die Niederlassung, die Personengesellschaft oder die PLC (vergleichbar der Aktiengesellschaft) sind nur für seltene Fallgestaltungen zu empfehlen. Ein aufwändiger Rechtsformvergleich ist daher in aller Regel überflüssig.

 Ein sorgfältig handelnder Erwerber muss bei der Errichtung der Co. Ltd. fünf wesentliche Schritte unterscheiden, die jeweils in fünf Unterpunkte aufgeteilt werden können. Diese fünf mal fünf, also 25 Felder werden nachfolgend als Orientierungshilfe dargestellt.

 I. Die Gesellschaftsebene

Die ersten fünf Grundsatzentscheidungen betreffen die Gesellschaftsebene. Es geht hierbei um (1) die Firmenbezeichnung, (2) Geschäftszweck und Firmensitz, (3) den Kreis der mindestens drei Gesellschafter, sowie (4) um die Höhe des Eigenkapitals und die jeweilige Beteiligungsquote. Die Festlegung, Dokumentation und Registrierung dieser ersten vier Punkte sind häufig (zusammen mit der Geschäftsführerbestellung) Inhalt eines kostengünstigen „Komplettpakets“.

 Hiermit endet die Unternehmensgründung allerdings noch längst nicht. Auf der Gesellschaftsebene ist insbesondere festzulegen, ob eine Unterteilung in unterschiedliche Klassen von Anteilsscheinen erfolgen soll. Sogenannte Vorzugsanteile mit einer garantierten Festdividende, aber nur geminderten Stimmrechten, sind im thailändischen Gesellschaftsrecht erlaubt und bieten eine reizvolle Möglichkeit, dem ausländischen Minderheitsgesellschafter einen gestärkten Einfluss zu gewähren.

 II. Die Gesellschafterebene

Die vertraglichen Vereinbarungen der Gesellschafter untereinander sind unabhängig von den gesellschaftsvertraglichen Regelungen. Vereinbarungen auf Gesellschafterebene sind – anders als der Gesellschaftsvertrag – in vielen Fällen auch rechtswirksam, wenn sie nicht zum Gesellschaftsregister angemeldet und publiziert sind.

 Die fünf typischen Strukturelemente und Gestaltungsmöglichkeiten auf Gesellschafterebene sind (6) die Wahl einer Holdingstruktur, (7) Maßnahmen zur Steueroptimierung der Auslandsinvestition, (8) Vereinbarungen zwischen den Gesellschaftern zu Abstimmungsverhalten und Zusatzinvestitionen, (9) Finanzierungsvereinbarungen für den thailändischen Mehrheitsgesellschafter, sowie (10) der vorsorgliche Abschluss von ganz oder teilweise ausgefüllten Anteilsübertragungsverträgen.

 III. Die personellen Ressourcen

 Management und Mitarbeiter sind in vielen Unternehmen der wichtigste Vermögenswert. Diese Werte zu schützen, sichert die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Oft zeigt aber auch die Erfahrung, dass vertragliche Regelungen das Unternehmen vor den eigenen Mitarbeitern schützen müssen und vertragliche Defizite das Gesamtunternehmens existenziell gefährden.

 Selbstverständliches Erfordernis ist (11) die organschaftliche Bestellung des Directors. (12) Hinzu kommt sein thailändischer Anstellungsvertrag. Eine sachgerechte Tantiemeregelung kann häufig Wunder bewirken – oder die Gewinne aus dem Unternehmen absaugen. (13) Visa und Arbeitserlaubnis sind für den Expatriate unabdingbar und sollten in enger Abstimmung zwischen allen Beteiligten beantragt werden.

 (14) Die Steueroptimierung der Expatriate-Besteuerung ist ein Kapitel für sich. Wer dies ausspart, verschenkt Geld, das besser dem Unternehmen zur Verfügung stehen sollte. Als letzter Punkt in dieser Kategorie ist (15) die Gestaltung und das Vertragscontrolling der Anstellungsverträge der thailändischen Mitarbeiter ein häufig gering geschätzter Beitrag zum nachhaltigen Unternehmenserfolg.

 IV. Steuern und Finanzierung

(16) Die Beantragung von Steuernummer und Umsatzsteuerregistrierung ist ein Standardvorgang. (17) Buchführung, Lohnbuchhaltung und Abschlussprüfung müssen frühzeitig eingerichtet und vorbereitet werden.  (18) Gleiches gilt für die thailändische Sozialversicherung und gegebenenfalls die Nutzung eines Provident Funds.

(19) In der Bilanzierung der Auslandsbeteiligung im Heimatland liegt ein erhebliches Konfliktpotential. Dies gilt insbesondere in den Fällen, in denen der ausländische Gesellschafter die Mehrheitsbeteiligung seines thailändischen Partners finanziert. Wenn die thailändische Strukturierung nicht im Heimatland  eins zu eins nachvollzogen wird, droht ein verdeckter Verstoß gegen das Ausländerinvestitionsrecht Thailands.

 (20) Die Firmengründung kann nicht abgeschlossen werden, bevor ein Bankkonto eingerichtet ist – und die Banken fordern für die Einrichtung eine abgeschlossene Firmengründung. Diesen Widerspruch gilt es aufzulösen und in diesem Zusammenhang ist auch zu entscheiden, wie und wann die Kapitaleinzahlung durchgeführt und nachgewiesen werden soll.

 V. Lizenzen, Warenzeichen, Fördermöglichkeiten – und der Exit

 Der fünfte Bereich der Unternehmensgründung betrifft die Beantragung der erforderlichen Lizenzen.

(21) Ausländern ist in bestimmten Geschäftsbereichen eine Betätigung verboten. In anderen Bereichen – z.B. dem Dienstleistungssektor – ist eine spezielle Ausländergeschäftslizenz erforderlich. Als Ausländer wird hierbei auch ein thailändisches Unternehmen mit ausländischen Mehrheitsgesellschaftern angesehen.

 (22) Daneben tritt die spezielle Geschäftslizenz, die für alle thailändischen Unternehmen erforderlich ist. Hierzu gehören beispielsweise Importlizenzen und spezielle Betriebslizenzen. Hier sieht die Theorie eine Gleichstellung mit rein thailändischen Unternehmen und die Praxis oft eine besondere Schwierigkeit und einen herben Zeitverlust.

 (23) Das thailändische Board of Investment – ein Teil des Wirtschaftsministeriums – fördert bestimmte Investitionen durch steuerliche und sonstige Vorteile. Im Falle der erfolgreich beantragten BOI Förderung ist ein ausländischer Mehrheitsbesitz möglich.

 (24) Die Registrierung der erforderlichen Warenzeichen gleich zu Beginn der Unternehmensgründung gewinnt immer stärker an Bedeutung. Die Registrierung in europäischen Registern wirkt nicht in Thailand und wenn die Konkurrenz das Warenzeichen in Thailand blockiert hat, ist es zu spät.

 (25) Keine Übersicht zur Unternehmensgründung (und auch kein anderes Auslandsaprojekt) wäre komplett, wenn nicht bereits der „Exit“, die De(s)investition in die Planung aufgenommen würde. Was nützen die schönsten Gewinne, wenn das Kapital in Thailand blockiert und ein Transfer mit hohen Kosten verbunden ist. Dies betrifft Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Devisenrecht, aber auch Ausländerrecht.

Die Statistiken der Weltbank führen Thailand bei der Rangliste der Länder, in denen am einfachsten Geschäfte zu betreiben sind, auf Platz 17. Dies zeigt, dass die Unternehmensgründung eine vergleichsweise schwierige Hürde auf dem Weg zum leichten (Geschäfts-)Leben ist. Es lohnt sich daher, die genannten 25 Schritte sorgfältig zu prüfen und klug zu strukturieren.

 Dr. Ulrich Eder
Rechtsanwalt und Steuerberater
PUGNATORIUS Ltd.
u@pugnatorius.com
www.pugnatorius.com
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