Airavata- Der Stammvater der Thai-Elefanten

Hastyayurveda

Am Anfang der Zeit, als der Garuda, der goldbeschwingte Sonnenvogel, ins Dasein trat, wurde auch der Elefant geboren. Brahma, der Schöpfer, hielt in seinen Händen die beiden Hälften der Eierschale des Garuda, und rezitierte über sie sieben heilige Hymnen (saman). In der rechten Hälfte der Eierschale erschien daraufhin der Elefant Airavata und mit ihm sieben weitere Elefantenbullen. Aus der linken Hälfte tauchten acht Elefantenkühe auf. Diese acht Paare waren die Ahnen aller Elefanten, sowohl im Himmel wie auf Erden. Sie wurden auch die „Elefanten der Richtungen des Raumes“ (diggaja) genannt, Gottheiten, die über die acht Richtungen des Kompasses wachen.

Ursprünglich besaßen die Elefanten- Ahnen Flügel. Sie konnten wie die Wolken frei über den Himmel schweben. Es wird erzählt, dass eines Tages ein heiliger Mann, ein Asket mit Namen Dirgha-Tapas, unter einem Riesenbaum seine Puja abhielt. Einer der fliegenden Elefanten, nicht Böses ahnend, ließ sich auf eben jenem Baum nieder. Die Äste jedoch hielten das Gewicht nicht aus, brachen, und fielen auf den armen Mann, der in seinem Zorn die großen Tiere gründlich verfluchte. Seit diesem Tage haben die Elefanten keine Flügel mehr. Trotzdem glaubt man noch immer, dass sie die Fähigkeit haben, Wolken, also Regen zu erzeugen.

Mahabarata

Sowohl für Buddhisten als auch für die Hindus ist der heilige Berg im Zentrum der Welt der Berg Meru, auch Sumeru genannt. Die axiale Natur dieses Berges ist überzeugend dargestellt in dem Mythos vom Quirlen des Milchozeans. Obwohl hinduistischen Ursprungs, wird dieser Mythos auch häufig in buddhistischen Schriften erwähnt oder in buddhistischer Kunst dargestellt. Eine eindrucksvolle Monumentaldarstellung dieses Vorgangs ist übrigens auf einem 50m langen Basrelief in der Außengalerie des Angkor Wat zu bestaunen (östliche Außengalerie, südliche Hälfte). Hier sind 92 Asuras und 88 Devas bei der Arbeit dargestellt, von oben durch zahlreiche fliegende Apsaras angefeuert.

Die Geschichte erzählt, wie die Götter (die Devas) und die Titanen (die Asuras) in den ersten Welttagen ihren endlos andauernden Krieg unterbrachen, um zusammen die kosmische See zu quirlen. Sie wollten so Amrita, das Elixir der Unsterblichkeit zurückgewinnen, welches neben vielen weiteren Kostbarkeiten in einer Großen Flut verloren gegangen war.

„der goldene Sonnenvogel Garuda und der milchweiße Elefant Airavata“

Als Quirl benutzten sie den Berg Meru, den Dreh- und Angelpunkt der Welt, der am unteren Ende auf einer riesigen Schildkröte gelagert war und am oberen Ende vom Gott Vishnu stabilisiert wurde. Die kosmische Schlange Vasuki wurde um den Berg gewunden und die Devas auf der einen Seite, die Asuras auf der anderen zogen abwechselnd je ein Ende der Schlange, so dass sich der Berg Meru hin und her um seine eigene Achse drehte. Nachdem sie etwa ein Jahrtausend an ihrem Werk geschaffen hatten, begann sich der Milchozean zu verfestigen und aus der Tiefe der Milch erhob sich ein sonderbares Sortiment von dreizehn Personifikationen und Symbolen. Unter den ersten Gestalten waren der goldene Sonnenvogel Garuda und der milchweiße Elefant Airavata. Als letzter erhob sich der Arzt der Götter, der Lehrer der Ayurveda, Dhanvantari. In seiner Hand hielt er den Mond, der das Elixier der Unsterblichkeit enthielt.

Erawan

Reittier des Gottes Indra

„Erawan ist die thailändische Form des mystischen Elefanten Airavata“

Er ist ein riesenhafter Elefant, groß wie ein Berg. Er hat meistens drei, manchmal sogar 33 Köpfe, jeder Kopf ist mit sieben Stoßzähnen ausgestattet. Er ist das Reittier des hinduistischen Gott des Regens und des Donners Gottes Indra, dem Herrscher über den Tavatimsa-Himmel, der Wohnstatt von 33 Göttern verdischen Ursprungs. In dem thailändischen Opus des 14. Jahrhunderts Traiphum Phra Ruang wird der Erawan wie folgt beschrieben: Die Region der 33 Devata befindet sich auf der Spitze des königlichen Berges Meru. Sie wird auch die Stadt von Indra genannt, dem König aller Devata. Hier gibt es Edelstein-Paläste und Edelstein-Prangs. Vom östlichen

Tor der großen Stadt Seiner Majestät, König Indra, bis zum westlichen Tor sind es 80.000.000 Wa*. Eine Edelsteinmauer umgibt die ganze Stadt mit 1.000 Toren an allen möglichen Stellen.

„Jeder der 33 Köpfe dieses Elefanten hat sieben Stoßzähne, ein jeder 40.000 Wa lang“.

In der Stadt gibt es einen Elefanten mit Namen Erawan. Allerdings ist dieser Elefant kein Tier, denn in diesem Himmel gibt es keine Tiere, er ist ausschließlich von Devata bewohnt. So gibt es dort einen Elefanten mit Namen „Devata Erawan“. Wann immer König Indra zum Vergnügen ausreiten möchte, und er möchte dabei auf einem Elefanten reiten, verwandelt sich „Devata Erawan“ in einen sehr großen weißen Elefanten. Dieser Elefant ist 1.200.000 Wa hoch und hat 33 Köpfe. Außen an jedem Kopf gibt es zwei kleinere Köpfe. Es gibt größere Köpfe, die haben einen Umfang von 2.000 Wa, die nächsten Köpfe an der Seite haben einen Umfang von 3.000 Wa, die nächsten 4.000 Wa, … Die Köpfe zur Mitte hin werden immer größer, der Kopf im Zentrum heißt ‚‘Sudassana‘‘. Er ist der Thron Indras und hat einen Umfang von 24.000 Wa. Oben auf diesem Kopf gibt es einen Edelstein-Palast, der mit sieben verschiedenen Arten von Edelsteinen bedeckt ist. (Es folgt eine Beschreibung des Inneren des Palastes.) Jeder der 33 Köpfe dieses Elefanten hat sieben Stoßzähne, ein jeder 40.000 Wa lang. In jedem Stoßzahn gibt es sieben Teiche, in jedem Teich sieben Lotuspflanzen; jede Lotuspflanze hat sieben Blüten, eine jede mit sieben Blütenblättern. Auf jedem Blütenblatt gibt es sieben weibliche Devata, die darauf tanzen. (Es folgt eine Beschreibung der zahlreichen Gefolgschaft von Indra, seine Frauen, Musiker – 60.000 Lautenspieler, 60.000 Trommler, usw. – und Tänzer, die sich ebenfalls alle auf dem Kopf Sudassana befinden.)

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