Mönche unterrichten Ladyboys in Sachen Männlichkeit

Der 15-jährige „Ladyboy“ streicht sich Talkumpuder auf die Nase – in dem Buddhistischen Tempel, wo er lernen soll, „ein Mann zu werden,“ ist dies ein Akt des Widerstands.

„Es gibt hier Regeln, dass die Novizen weder Puder, Make-Up noch Perfum benutzen dürfen, genauso wenig wie es ihnen untersagt ist, sich übertrieben feminin aufzuführen,“ so Pipop Thanajindawong, der zum Tempel Wat Kreung Tai Wittaya in Chiang Khong an der thai-laotischen Grenze geschickt wurde, um dort seine feminine Seite zu zügeln.

Jedoch wissen die Mönche, die die jungen „Katoeys“ – das thailändische Wort für Ladyboy – im Mann-Sein unterweisen, nur allzu gut um die Schwierigkeiten ihrer kontroversen Lehrtätigkeit.

“Manchmal geben wir ihnen Geld, um sich Snacks zu kaufen, doch er [Pipop] hat sich dafür Mascara geholt,“ so Rektor Phra Pitsanu Witcharato.

Ansonsten laufen die Tage der Novizen ab wie in jedem anderen Tempel: Wecken vor Tagesanbruch, Almosen sammeln, die Lehren des Buddhismus studieren. Freitags jedoch richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Katoeys .

“Seid ihr als Mann oder Frau geboren oder könnt ihr euer Geschlecht nicht sicher angeben – weder Mann noch Frau,?“ so die Frage von  Phra Pitsanu kürzlich bei einer Versammlung. „Ihr könnt nichts anderes sein als euer wahres Geschlecht und das heißt männlich. Als Mönch könnt ihr nur Männer sein.“

Dieser Tempel hat strengere Verhaltensregeln für das buddhistische Training, welches für viele junge Thai-Männer ein Schlüsselerlebnis darstellt. Außer den oben genannten Verboten sind auch Singen, Musizieren und schnelles Laufen untersagt. „Wir können nicht alle von ihnen ändern, doch was wir tun können, ist ihr Verhalten zu kontrollieren und ihnen eintrichtern, dass sie als Männer geboren wurden . . . und sich nicht als Frauen zu gerieren haben,“ so Phra Pitsanu.

Dieser Kurs für Jungen im Alter von 11 bis 18, der im Kreung Tai Tempel schon seit 2008 angeboten wird, wurde von dem vorhergehenden Rektor Phra Maha Vuthichai Vachiramethi hauptsächlich deshalb kreiert,  weil dieser Kathoys unter den Mönchen als Destabilisierung des Buddhismus in Thailand betrachtete. Seine Bestreben ist es nun, diesen Kurs auch an anderen Tempelschulen einzuführen, um „das abartige Verhalten der Novizen zu korrigieren.“

Dies ist natürlich eine Einstellung, die Vorkämpfer für Diversität und Gay Rights wie Natee Teerarojanapong sehr verärgert, indem es dieser für „extrem gefährlich“ hält, die sexuelle Identität dieser Jungen ändern zu wollen: „Diese Kids werden sich selbst hassen, weil ihnen von angesehenen Mönchen vorgesagt wird, Homosexualität wäre ein Defekt. Das ist doch schrecklich. Sie werden nie glücklich leben können.“

Homosexualität und Kathoeys sind in Thailand, das weltweit den größten Transsexuellen-Anteil in der Bevölkerung vorweist, sehr verbreitet und werden auch toleriert. Laut Natee ist das Lehrprogramm des Tempels „längst nicht mehr zeitgemäß.“

 Doch Phra Atcha Apiwanno, 28, weist die Meinung zurück, Ladyboys würden in der Thai-Gesellschaft akzeptiert und sagt, er hätte das Mönchtum gewählt eben wegen des gesellschaftlichen Stigmas: „Ich bin Mönch geworden, um meine Lebensgewohnheiten zu ändern und meine Ausdrucksformen zu kontrollieren.“

Der Erfolg des Projekts ist durchwachsen: drei der sechs Ladyboys, die die Tempelschule absolviert haben, haben ihre Maskulinität angeblich akzeptiert, während sich die anderen für eine Geschlechtsumwandlung entschieden. Auch Pipop räumte ein, dass er mit seiner sexuellen Identität nicht im Klaren ist. Zu Hause in Bangkok kleidete er sich als Frau, benutzte Make-Up und nahm Hormontabletten. Mittlerweile jedoch ließ er davon wieder ab und trägt im Tempel nur noch einen unauffälligen Pudertupfer.  Er glaubt nicht, dass er den Erwartungen seiner Familie, nämlich männlicher zu werden, entsprechen kann.

“Ich kann sie auch nicht als Mann stolz machen,“ so der Teenager, und fügt hinzu, er habe sein Ziel als Stewardess zu arbeiten aufgegeben und strebe nun eine Stelle in einer Bank an. Nach seinem Abgang von der Tempelschule wird sich Popit wohl ebenfalls einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. „Sobald ich das Mönchsein beende, werde ich als erstes laut herausschreien: ‚Jetzt kann ich wieder so sein, wie ich bin.’“

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2 Kommentare zu
Mönche unterrichten Ladyboys in Sachen Männlichkeit

  1. Hans Rexing sagt:

    Ich lebe mit einem 30 jährigen Thailänder zusammen.
    Zuerst wollte er auch ein Ladyboy sein, weil alle seine Freunde es sind. So hat er sich mit 22 Jahren Hormone zur Vergößerung der Brüste spritzen lassen. Nun mit 30 möchte er doch lieber ein Mann sein und sich die Brüste operieren lassen. Ich befürchte aber, dass dadurch sein ganzer Hormonhaushalt durcheinander kommt.

  2. Alfred Gruetzner sagt:

    Das ist wohl das allerdümmste und naivste, was ich aus dem Thailand Alltagsleben je vernommen habe. Konnte mir kaum vorstellen, dass Mönche allen Ernstes versuchen wollen, aus Ladyboys echte Männer machen zu wollen. Entweder akzeptiert der Sangha, dass es in ihren Reihen auch Kateoys gibt, oder sie lassen sie gar nicht ordinieren, was ja eigentlich einer schlimmen Diskriminierung gleichkommt. Und dann noch die Annahme, es handle sich um einen “Defekt”. Mann kann ja versuchen, den Jungen ein paar Verhaltensregeln beizubringen, damit sie nicht so extrem auffallen. Aber diese Jungen umpolen zu wollen? Unfassbar!

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